Freitag, 24. März 2017

Röhrenprüfgerät

Das musste ja früher oder später kommen - ein Röhrenprüfgerät !

Brauch ich so etwas überhaupt ? Was erhoffe ich mir davon ?

Wenn ich mich mal "kurz" so umschaue, auf den einschlägigen Online-Gebrauchtwarenseiten und -Auktionshäusern, dann sind da überwiegend welche aus der guten, alten Zeit, wo die Röhre noch rege in Gebrauch war, zu finden. Namen wie Funke, Neuberger und auch ein paar amerikanische und italienische Namen kann man da lesen.

Auf "http://www.jogis-roehrenbude.de/Roe-Pruefer.htm" kann man sich einen guten Überblick über alle möglichen Geräte verschaffen, auch Selbstgebautes.

Es gibt aber auch wieder "Neues", kommerziell käufliches, z.B. von der Fa. Beck, das RM 1.

Entstanden ist das RM 1, lt. Hrn. Beck, mehr aus der "Not" heraus, weil er sich auf die Angabe des Lieferanten, von wegen "gematchte" Röhren, leider nicht mehr verlassen konnte.


Damit lassen sich in der Basisausstattung 6SL7-GT, ECC81=12AT7, ECC82=12AU7, ECC83=12AX7, EL34=6CA7, 6550, KT66, KT88, 5881, 6L6-GC, 6V6-GT, EL84=6BQ5 testen.

Die Fa. Beck kann auf Wunsch auch noch ein paar Optionen einbauen (Gleichrichterröhren, magische Augen, etc.). Gemessen wird aber scheinbar immer nur der "Standardarbeitspunkt". Ich denke, das hier sogar mit "reellen" Arbeitspunkten, also unter "Last" gemessen wird und nicht wie manche andere, neuzeitlichen Tester mit gepulsten Strömen/Spannungen.


Oder der Orange VT1000


Damit sollen sich EL34/6CA7, EL34L, 6L6, 6V6/6V6GTA, KT66, KT77, KT88, 6550, 5881, EL84/6BQ5, ECC81/12AT7, ECC82/12AU7, ECC83/12AX7, ECC99, 12BH7 testen lassen.

Hiermit lassen sich "einfach und schnell" (wie gut und was alles, ist eine andere Frage - zumindest konnte ich noch keine technischen Details finden) die heute gängigsten Röhrentypen messen, aber auch hier wahrscheinlich nur im "Standardarbeitspunkt".

Dann gib es da etwas nicht kommerzielles, den "RoeTest" von Hrn. Weigl (http://www.roehrentest.de/),


der mittlerweile recht professionelle Ausmaße angenommen hat (allerdings auch schon einen stolzen Preis hat) und für die Meisten, wie auch für mich, sicher schon eine Hausnummer zu groß sein dürfte (Aufwand und Nutzen).

Andererseits sind mir der RM1 oder VT1000 dann doch wieder "zu einfach". Die "Optionen" beim RM1 haben ihre Grenzen und der VT1000 bietet so etwas gleich gar nicht an. Mal einen anderen Arbeitspunkt einzustellen, als den standardmäßigen, wäre vielleicht auch mal interessant, um so evtl. "händisch" eine Kennlinienschar aufzeichnen zu können, den Innenwiderstand oder die Steilheit zu berechnen (wahrscheinlich nur der Neugierde halber). Vielleicht auch etwas mehr Spielraum, was Sockel und Röhren angeht, z.B. hab ich Loktalröhren wie die C3g, Magnoval wie die E55L, EL5070 oder EZ40 mit Rimlock-Sockel. Zumindest ein Steckfeld, von wo aus ich "frei" einen Sockel anschließen könnte. Oder was ist, wenn ich eine Röhre mit Anodenkappe habe ? Oder wie sieht es mit dem Prüfen von Gleichrichter- oder Anzeigeröhren aus ?

Die "alten" Geräte werden oft überteuert gehandelt. Zustand und Funktion nicht immer ersichtlich und wenn es funktioniert, dann sollen die Messergebnisse manchmal dennoch fragwürdig sein, weil es scheinbar auch früher schon unterschiedliche Ansichten über die Meßverfahren gab bzw. sich erst entwickelt haben. Ersatzteile wie Drehmessinstrumente, Drehschalter, Trafos, Röhrenfassungen oder verbaute Röhren (Quecksilbergleichrichter, Stabilisatorröhren), sind langsam schwierig zu bekommen. Reparaturen sind durchaus möglich, u.a. weil sich schon einige, um Schaltbilder und Restaurationen/Reparaturanleitungen bemüht haben.

So "verrückt" muss ich jetzt beim Röhrenprüfgerät nicht sein, wie mit meinen Verstärkern :-) !

Folgendes Gerät ist jetzt erst einmal in die engere Wahl gekommen



Das Ganze ist ein "Fix-und-Fertigbausatz" aus Frankreich (https://www.radioelec.com/), der nur noch ein Gehäuse, ein paar Buchsen und die jeweiligen Sockel und Heizspannungen, für die zu messende Röhre benötigt, um zumindest mal grundlegend mit dem Messen beginnen zu können. In wie weit man das Ganze dann noch mit Adapterplatten oder Sockelmatrix versieht, kann jeder selbst entscheiden.

Von der gleichen Firma gibt es auch noch einen "Tracer", der zusammen mit einem Computer und Windows, Kennlinien von Röhren aufzeichnen kann. Auch die Option Signale am Oszi auszugeben gibt es.




Hier fehlen aber noch Trafos für Hochspannung und Heizung und auch wieder die jeweiligen Sockel für die zu messenden Röhren.

26.03.2017

Jetzt hab ich bei obigen Anbieter, u.a. auch noch dieses Fertiggerät gefunden, den "DUOVAC", der "alles", was man zum Messen vieler Röhren schon beinhaltet. Dabei sind u.a. Steckbrückenkabel, Adaptersockel (z.B. Oktal auf UX-4, etc.), Beschreibung, Schaltpläne, etc.. und 380 Euro + 20 Euro Versand, kostet.


Wenn ich jetzt mal in Einzelteilen rechne:

- 145 Euro, die Grundplatine
-   25 Euro, das Heizspannungsnetzteil (4/5/6,3V/3A)
- 100 Euro, für ein Gehäuse (Frontplatte mit Gravierung, z.B. Munitionskiste als Behausung)
-   90 Euro, für Kleinteile wie Steckbrückenkabel (bei Reichelt kosten z.B. 25cm lange, 2mm
         Messleitung 3,90 Euro und das x 10, eine gute 2mm Einbaubuchse knapp 2 Euro,
         das Ganze x 16), sonstige Buchsen, Adaptersockel, Schrauben, etc.
-   30 Euro, Versand (bei den unterschiedlichen Händlern)

dann bin ich "überschlagen" schnell mal bei 390 Euro und ich muss mich um alles kümmern (schauen das die Maße für die Frontplatte passen, die Wartezeiten bei jeder Bestellung und hab dann vielleicht doch noch etwas vergessen, etc.).

Und besser wie das Fertiggerät (zumindest rein optisch), wird es dann auch nicht werden. Da kann ich mich noch so bemühen. Gut, lernen tut man jetzt dabei nicht so viel, aber man kann auch nicht alles haben :-).

Wenn ich dann mal weiter (gegen) rechne, das sich mittlerweile einige Röhren angesammelt haben, die ich gerne wieder veräußern möchte, weil ich "wahrscheinlich" nichts mehr damit bauen werde, ich aber beim Kauf eigentlich schon nicht wusste welchen Zustand diese hatten und ausgemessen evtl. mehr Geld bekommen würde ?

Dann würde ich natürlich auch gleich alle meinen anderen Röhren "ausmessen" (gut-schlecht, "matchen").

Vielleicht kann ich ja dann auch den einem oder anderen Interessenten, gegen kleines Geld, seine Röhren ausmessen ?

Und dann muss ich mich auch nochmal mit dem Regenerieren von Röhren beschäftigen (http://www.jogis-roehrenbude.de/Regenerierer.htm). Wenn das wirklich funktionieren sollte (anfangs werde ich das natürlich mit schlecht getesteten oder günstigen Röhren probieren - soll ja einiges an Fingerspitzengefühl erfordern), dann kann man das auch mal an sehr seltenen Röhren, wie AD1, EBIII, etc. probieren. Nur für den Fall, das man mal an so etwas kommen sollte.

Die Frage, die mich dabei interessieren würde, wäre natürlich, wie lange so eine "wiederbelebte" Röhren dann wieder hält und welche Messwerte hat sie anschließend ? Lässt sich das "Spiel" mehr wie einmal wiederholen ?

Vom gleichen Anbieter gibt es auch noch ein größeres (und natürlich teureres) Röhrenprüfgerät, den "PentaVac", was die Röhren im "reellen" (continuous) Lastbetrieb testen kann, aber 780 Euro (+Versand) sind schon eine Hausnummer.

https://www.radioelec.com/en/high-power-digital-vacuum-tube-tester-xml-354_440-1514.html




28.03.2017

Bei meinen ganzen Recherche ist mir noch dieser Bausatz, aus den Niederlanden aufgefallen.
Soll recht gut sein. Kostet ca. 225 Euro, aber muss bis auf einige wenige SMD-Bauteile komplett selbst zusammengelötet werden. Nicht das ich nicht gerne löten würde oder nicht über eine feine Lötspitze, feines Lot oder einen Halter mit Lupe verfügen würde, aber dieses "feine" Zeugs, auf durchkontaktierten oder gar Multilayer-Platinen, muss ich mir nicht unbedingt antun. Ich hab es bei meinem Nixie-Uhren Bausatz gesehen, wenn da mal ein Bauteil falsch eingelötet war, das wieder herauszubekommen, ohne die Platine in Mitleidenschaft zu ziehen, ist für mich schon immer ein Akt.

Ich geb es ja zu von der Röhrentechnik verwöhnt zu sein oder anders gesagt, ich kann einfach nicht mit Platinen :-) !


http://www.dos4ever.com/uTracer3/uTracer3_pag0.html

Eine PC-Verbindung ist hier Pflicht, dafür scheint es ein "all-in-one" Produkt zu sein, also Tester und Tracer. Allerdings auch "gepulst", also nicht wie bei den alten Röhrenprüfgeräte, so mit ordentlich "Power", um die Röhre auch unter Realbedingungen testen zu können.

Der französische Hersteller sagt zumindest, es gäbe keine Messunterschiede, zwischen seinem "DuoVac" (380 Euro), der ja "gepulst" arbeitet und dem nochmals teureren "PentaVac" (780 Euro), der u.a. mit "realen" Strömen hantiert.

Ich bin immer noch hin- und hergerissen !

Hier noch ein paar weitere, interessante Überlegungen:

"http://www.radiomuseum.org/foru/messmethoden_roehrenpruefgeraete_anodenstrom_versus_steilheit.html"

Zumindest kann man sagen, das egal ob man jetzt den Anodenstrom als "gut-schlecht" Kriterium hernimmt oder die Steilheit S, gibt sich bis auf einige "kleine" Ausreißer, nichts.

Ein s.g. "Lifetest", wie es Hickock zu machen scheint (die Heizspannung um 10% zu reduzieren), soll durch Anzeige eines Rückgangs der Steilheit um >20%, die Röhre als doch "schlecht" entlarven.

Dann wird hier des Weiteren von einem "Barkhausen-Produkt" (S, D, Ri) gesprochen, abhängig vom Arbeitspunkt.

Alles schön und gut, wenn z.B. bei kleineren Werten von -Ug, das Produkt um "einiges" kleiner wird und bei größeren nur "unmerklich" kleiner, wenn doch die Röhre im Verstärkerbetrieb ständig durch "alle" Arbeispunkte gejagt wird. Sagt mir nur wieder einmal, das auch die Röhre nix "lineares" ist.

Aber was bringt die Erkenntnis für die Praxis ?

Weiß ich jetzt eher, welches "Messverfahren" und welches von den o.g. Röhrenprüfgeräten das "Richtigere/Bessere" ist ?

Der "DuoVac" hat gegenüber dem "utracer" schon mal die "bessere" Heizspannung, da diese nicht auch noch oder besser gesagt nicht in dem Maße (leider auch ein Schaltnetzteil) gepulst wird. Andererseits scheint die Röhrenheizung ein recht träges Verhalten zu haben, das man durchaus auch gepulst heizen kann, aber scheinbar hat der "utracer" hier dann wieder ein Messproblem, bei so stark gepulster Spannung, das man wieder korrigieren muss. Ob das dann nicht doch wieder Einfluss hat ?

Fragen und noch mehr Fragen !

Mittlerweile könnte ich mir gut vorstellen, das eine "stabile", "saubere" Heizspannung und eine ausreichend lang vorgeheizte Röhre (2-3 Minuten), schon mal eine gute "Basis" für eine Messung sein könnte.

Natürlich wäre eine etwas länger anstehende Anodenspannung mit dementsprechenden Strom im Arbeitspunkt nochmal ganz was anderes, als wenn ich nur mal kurz, alle 500 Millisekunden (ms) für 800ms messe.

Ich kann mich noch immer nicht entscheiden !

03.04.2017

Heute hab ich das Angebot der Fa. Beck, für den RM 1, speziell auf die meisten meiner Röhren ausgelegt, bekommen

Messplatz 1: 5998 und 6AS7-G=6N5P (umschaltbar)
Messplatz 2: E88CC=6922 und 6H30P (umschaltbar)
Messplatz 3: E55L EL5070
Messplatz 4: 1626
Messplatz 5: D3a=7721
Messplatz 6: E810F=7788
Messplatz 7: EL84=6BQ5 und SV83~6P15P (umschaltbar)
Messplatz 8: Gleichrichterröhren EZ80=6V4 EZ81=6CA4
Messplatz 9: Gleichrichterröhren GZ30=5Z4 5R4GY 5Y3 GZ34=5AR4

Auch hier wird, lt. Aussage, im "reellen" Lastbetrieb, nach Vorgaben der Herstellerdaten gemessen.
Schon mal nicht schlecht, aber das Ganze kostet dann knapp 900 Euro - autsch !

Aber ich brauche hier nicht glauben, das ich damit schnell mal andere Röhre, wie die EL34. 6V6, KT66 u. 88, 2A3, etc. testen könnte oder eine 10% niedrigere Heizspannung oder einen anderen Arbeitspunkt.

Da fällt mir ja gleich wieder der "PentaVac" ein, der "nur" 780 Euro (+Versand) kostet, aber wirklich universell verwendbar wäre. Der Hersteller sitzt natürlich in Frankreich und ich weiß noch gar nicht wie es sich dort mit Gewähr- oder Garantieleistungen verhält. Diese relative Sicherheit hätte ich zumindest in Deutschland.

27.03.2018

Ganz vom Tisch ist das Thema noch nicht, aber so richtigen Bedarf hab ich eigentlich auch nicht.

Es müssen/werden einige Röhren wegkommen, soviel ist sicher. Alleine von den EL5070 (E55L mit Anodenkappe) hab ich 10 Stück und von den E55L 8 Stück. Wenn die alle gute-sehr gute Werte haben würden, könnte ich pro Stück sicher 30-50 Euro bekommen, das macht 520-800 Euro. Da hätte ich den PentaVac schon fast wieder raus.

Ich tendiere immer noch eher zum PentaVac, u.a. weil der ordentlich Power kann, halt reale Bedingungen. Den kann man sicher auch zum Röhrenregenerieren verwenden ?

Der kann zwar keine Kennlinien aufzeichnen und auch nicht direkt die Gm (dynamic mutual conductance oder auch reziproke Wert der Steilheit) messen, aber durch einstellen anderer Arbeitspunkte oberhalb und unterhalb der Standartwerte, ließe sich die auch ermitteln, wie auch der Innenwiderstand (Ri) der Röhre oder auch der Durchgriff (D).

http://www.hts-homepage.de/RPGSelbstbau/RPG-Steilheit.html

https://mhf-e-wiki.desy.de/Elektronenr%C3%B6hre

Erweitern, um andere Sockel verwenden zu können, sollte beim PentaVac auch kein Problem sein. Soweit ich verstanden habe, sind Oktal- und Novalstecker mit dabei, um sich "Adapter" bauen zu können. Es gibt aber auch schon Fertiges, z.B. Oktal auf UX-4 oder man baut sich einfach selbst was.

Es gibt noch einen weiteren Röhrentester von Tsakiridis den "Daedalos"

Quelle "https://www.audioplan.de/tsakiridis/roehrentestgeraet/tsakiridis-daedalos/"

Der ist zwar automatisiert, aber nicht universell.

22.06.2018

Hier ein weiterer Erfahrungsbericht von dem Bausatz aus Frankreich "https://radio-bastler.de/forum/showthread.php?tid=10334".


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